{"id":473,"date":"2019-10-27T16:18:57","date_gmt":"2019-10-27T16:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=473"},"modified":"2019-10-27T16:18:57","modified_gmt":"2019-10-27T16:18:57","slug":"tief-christa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=473","title":{"rendered":"\u201eTief Christa\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die meteorologischen Tiefs haben meist m\u00e4nnliche Namen wie Xaver, Quentin oder Kurt. Naht ein Tief, bedeutet das sehr oft Regen, Sturm und unfreundliche Wetterlagen. Wer mag das schon?<br \/>\nMan ertr\u00e4gt und erduldet sie, was soll man auch sonst tun und hofft auf das n\u00e4chste Hoch, das einen f\u00fcr die erlittenen Qualen wieder entsch\u00e4digt. In der Regel funktioniert das auch wenigstens beim Wetter.<br \/>\nIm menschlichen Miteinander habe ich \u00e4hnliches beobachtet. Auch da gibt es \u201eHochs\u201c und \u201eTiefs\u201c. Die Geschlechter scheinen mir hier allerdings oftmals anders verteilt. Au\u00dferdem hat man im gesellschaftlichen Alltag eher mal die M\u00f6glichkeit einem drohenden \u201eTief\u201c aus dem Wege zu gehen..<br \/>\nDas gelingt nat\u00fcrlich nicht immer, und so gibt es hin und wieder auch hier Situationen, da l\u00e4sst sich ein Zusammentreffen einfach nicht vermeiden. Ehe man sich versieht, darf man unvorbereitet, pl\u00f6tzlich und sehr intensiv alle Facetten menschlichen Schlechtwetters erfahren. So zum Beispiel geschehen auf einer Schiffsreise vor einiger Zeit.<br \/>\nZugegeben man befindet sich da auf relativ engem Raum und kann dem Unheil weit weniger entgehen als an Land. Um so vehementer trifft einen dann die volle Wucht menschlich negativen Einfallsreichtums, und der kann erstaunlich gro\u00df sein.<br \/>\nDiese Tiefs hei\u00dfen bei uns ganz allgemein \u201eTief Christa\u201c und zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist weiblich sind und \u2013 egal wie und wo \u2013 stets etwas zu meckern, zu kritisieren oder zu beanstanden haben. \u201eTief Christa\u201c kann man einfach nichts recht machen, und mit dem unguten, negativen Karma, das sie schafft, macht sich ganz schnell eine schlechte Stimmung in ihrer Umgebung breit.<br \/>\nUnverhofft geraten wir in diesen unguten Dunstkreis, als wir mit \u201eTief Christa\u201c zusammen auf einen Ausflugsbus warten. Die Sonne scheint und es geht eine leichte Brise, man ist schlie\u00dflich an der K\u00fcste, und \u201eTief Christa\u201c er\u00f6ffnet sogleich das aufgezwungene Gespr\u00e4ch mit deutlich vorwurfsvoller Miene: <em>Der Wind ist heute aber sehr kalt, das haben sie gar nicht so vorher gesagt. Na hoffentlich kommt der Bus endlich, nicht dass ich mir hier noch was weghole<\/em>. Kaum ist sie im Bus eingestiegen und hat ihren Fensterplatz erobert, stellt sie fest: <em>Der Wagen ist ja total aufgeheizt, und dann brennt die Sonne noch so entsetzlich durch das Fenster. Da sitze ich ja wie hinter einem Brennglas.<\/em> Sie braucht jetzt unbedingt einen anderen Platz. Dort st\u00f6rt sie allerdings die Klimaanlage und sie bef\u00fcrchtet Zug zu bekommen. Demonstrativ schlingt sie ihren Schal um den Hals und hustet schon mal prophylaktisch ihren Vordermann an.<br \/>\nDas Headset, welches der Reiseleiter an alle Mitfahrenden verteilt, damit ihn jeder problemlos verstehen kann, dr\u00fcckt an ihr Ohr bzw. an den B\u00fcgel ihrer D.G. Sonnenbrille, die sie jetzt auch ohne Sonne aufbehalten muss. <em>Dass der Bus aber auch kein ordentliches Mikrophon hat, geht eigentlich gar nicht. Aber gut, dann h\u00f6r ich eben nichts.<\/em> Schmollt sie und nimmt das Headset ab. Am Ziel angekommen, wei\u00df sie nat\u00fcrlich weder, wo sich die Toiletten befinden, noch wo der Sammelpunkt f\u00fcr den gemeinsamen Rundgang ist. Wie auch, ihr \u00d6hrchen hatte ja Probleme mit dem Headset. Also fragt sie alles noch einmal ab, um dann festzustellen, dass die Information fr\u00fcher auch schon mal umfassender und besser war. Nun werden zwei verschiedene Spazierg\u00e4nge angeboten. Eine k\u00fcrzere, sehr bequeme Route und eine etwas l\u00e4ngere leicht anspruchsvollere Variante. \u201eTief Christa\u201c hat sich schon vorab bei anderen Reisenden erkundigt und wei\u00df bereits, dass die l\u00e4ngere Version sehr, sehr lang ist. Au\u00dferdem soll es da ziemlich windig, schattig, feucht und uneben sein; eine Information, die man ihr auch von offizieller Seite vorenthalten hat. Also eigentlich unzumutbar.<br \/>\nSie w\u00e4hlt nat\u00fcrlich den k\u00fcrzeren Weg, ist somit auch fr\u00fcher am Ziel und muss nun etwas warten bis die anderen, die etwas ambitionierter unterwegs waren, kommen. Sie ist \u201anot amused\u2018. Daf\u00fcr macht sie diesen Ausflug nicht, um dann hier bei Tee und Geb\u00e4ck, quasi abgestellt, ausharren zu m\u00fcssen. Eigentlich m\u00f6chte sie daf\u00fcr einen Tel ihrer Auslagen zur\u00fcckerstattet haben, was sie gn\u00e4digerweise auch denen zubilligt, die ohne zu maulen mit ihr gewartet haben.<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg kommt der Bus in einen kleinen Stau und \u201eTief Christa\u201c hat gro\u00dfe Bedenken rechtzeitig zur n\u00e4chsten Mahlzeit wieder an Bord zu sein. Ob wir vor dem Ausflug etwas gegessen h\u00e4tten, fragt sie uns. Haben wir nicht und sind auch noch nicht verhungert.<em> Da haben sie aber Gl\u00fcck<\/em> stellt sie fest, <em>denn es schmeckte einfach schrecklich.<\/em> Dazu macht sie ein Gesicht, als w\u00e4re sie knapp einer Lebensmittelvergiftung entgangen. Nun muss man wissen, dass bei dieser Reise 4 Restaurants zur Auswahl stehen und man dort unter x verschiedenen K\u00f6stlichkeiten seine Auswahl treffen kann. Schwer nachzuvollziehen, wie man da etwas Ungenie\u00dfbares finden soll.<br \/>\n<em>\u00dcberhaupt ist diese Reise entsetzlich anstrengend<\/em>, sinniert sie. <em>Man hat ja wirklich keinen Augenblick seine Ruhe. St\u00e4ndig sind Besichtigungen,Vortr\u00e4ge, Konzerte oder irgend etwas anderes.<\/em> Das hat sie sich doch wirklich ruhiger und beschaulicher vorgestellt. Vermutlich hat man ihr nicht noch einmal ganz pers\u00f6nlich klar gemacht, dass alle Aktivit\u00e4ten und Veranstaltungen freiwillig sind und sie zu keiner Teilnahme verpflichtet ist. Ein unverzeihlicher Fehler der Reederei!<br \/>\n\u201eTief Christa\u201c ist allein reisend, was sicher nicht ganz leicht ist. Ihr die entsprechende Gesellschaft am Tisch zu vermitteln, ist dagegen schier unm\u00f6glich. Setzt man sie zu anderen Alleinreisenden, befindet sie: <em>das geht ja gar nicht, ich bin doch hier nicht im Single Club!<\/em> Hat sie einen Platz zwischen anderen Paaren, kommt sie sich vor wie das f\u00fcnfte Rad am Wagen. Mischt man nun Paare und Alleinreisende, dann kann sie sich nicht orientieren, wer wozu geh\u00f6rt. Allein sitzen m\u00f6chte sie allerdings auch nicht. <em>Wozu mach ich so eine Reise? Man m\u00f6chte doch schlie\u00dflich neue Menschen kennenlernen. Allein bin ich oft genug!<\/em> Das glaubt man ihr auf Wort, und wir k\u00f6nnten \u2013 w\u00fcrde sie danach fragen \u2013 auch erkl\u00e4ren, woran es liegt. Aber \u201eTief Christa\u201c fragt nicht, sondern kritisiert sich weiter durch den Tag. Im Spa hat sie nicht den gew\u00fcnschten Termin bekommen, weil auch andere die Idee hatten einen Seetag daf\u00fcr zu n\u00fctzen. Der Bordarzt sieht ihrer Ansicht nach nicht wirklich kompetent aus, <em>na hoffentlich brauch ich<\/em> <em>den nicht<\/em>, und ob der Kapit\u00e4n nicht vielleicht schon zu alt f\u00fcr seine Job ist? Sie hat da so ihre Zweifel.<br \/>\n\u201eTief Christa\u201c ist eine wirklich stabile Schlechtwetterlage und es braucht viel Optimismus, Gelassenheit und menschliche Nachsicht, um halbwegs h\u00f6flich zu bleiben und nicht irgendwann mal ausfallend zu werden. Die Versuchung ist da durchaus gegeben.<\/p>\n<p>Und die \u201eHochs\u201c, die in unserem Fall dann dem m\u00e4nnlichen Geschlecht zugeordnet werden? Man soll nicht glauben, dass das nun zwangsl\u00e4ufig Optimismus, Zufriedenheit und Frohsinn bedeuten w\u00fcrde. Das gibt es zum Gl\u00fcck auch hin und wieder, aber das maskuline menschliche \u201eHoch\u201c zeichnet sich doch oft durch eine gewisse Selbstgef\u00e4lligkeit und ein \u00fcberstarkes Selbstbewusstsein aus. Die Devise lautet hier nicht selten: <em>nicht gemeckert, ist Lob genug und wenn schon Lob, dann Eigenlob. Da wei\u00df man wenigstens, dass es berechtigt ist.<\/em> Damit umzugehen, ist auch eine gewisse Herausforderung.<br \/>\nDoch das ist dann eine andere Geschichte.<br \/>\nBleibt noch zu sagen, dass man meteorologisch als auch menschlich mit den weniger extremen Wetterlagen am besten klar kommt. Extreme sind eben hier wie da schwerer zu ertragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meteorologischen Tiefs haben meist m\u00e4nnliche Namen wie Xaver, Quentin oder Kurt. Naht ein Tief, bedeutet das sehr oft Regen, Sturm und unfreundliche Wetterlagen. Wer mag das schon? 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