{"id":467,"date":"2019-09-09T14:20:45","date_gmt":"2019-09-09T14:20:45","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=467"},"modified":"2019-09-09T14:20:45","modified_gmt":"2019-09-09T14:20:45","slug":"das-honeymoon-special","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=467","title":{"rendered":"\u201e Das Honeymoon-Special\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Perlen sind aktuell so gar nicht mehr gefragt.<br \/>\nDas mussten wir leider feststellen, als wir neulich einige Perlenketten meiner verstorbenen Schwiegermutter verkaufen wollten. Kein Mensch interessiert sich daf\u00fcr. Der Zeitgeist tr\u00e4gt momentan offensichtlich eine andere Mode!<br \/>\nDasselbe gilt wohl auch f\u00fcr die \u201ePerlenhochzeit\u201c, denn wer ist heute noch drei\u00dfig Jahre am St\u00fcck mit dem selben Partner verheiratet? Auch das scheint nicht mehr wirklich en vogue zu sein.<br \/>\nSo gesehen liegen wir ziemlich genau neben dem Trend. Ich finde Perlen n\u00e4mlich wundersch\u00f6n, und au\u00dferdem feiern wir in diesem Jahr dankbar, gl\u00fccklich und zufrieden unsere \u201ePerlenhochzeit\u201c.<br \/>\nDa f\u00fcr den besagten Tag keine gro\u00dfe Party zu erwarten war \u2013 wer hat uns und unserer Ehe vor drei\u00dfig Jahren schon eine Chance gegeben \u2013 beschlie\u00dfen wir zu verreisen, um das Jubil\u00e4um fernab des nicht zu erwartenden Trubels zu genie\u00dfen.<br \/>\nWir sind mal wieder auf einem Schiff, umrunden England und begehen diesen Tag, bescheiden und sparsam wie wir nun mal sind, in Schottland. Sparsam schon deshalb, weil wir vorab das kostenlose \u201eHoneymoon-Special\u201c gebucht haben, das f\u00fcr alle Flitterw\u00f6chner und Paare mit runden Verm\u00e4hlungsdaten angeboten wird.<br \/>\nDa wollten wir es auf Kosten der Reederei doch mal so richtig krachen lassen und erfahren, wie sich Honeymoon im Perlenmodus wohl anf\u00fchlt.<br \/>\nDer gro\u00dfe Tag beginnt dann auch schottisch sparsam, sowohl was den Seegang angeht als auch die Regenwolken. Beides gef\u00e4llt uns gut und schmeichelt dem Karma.<br \/>\nDas kleine Fischerdorf auf den s\u00fcdlichen Hebriden liegt am Fu\u00dfe von gr\u00fcnen H\u00fcgeln in einer lauschigen Bucht und wartet vermutlich seit drei\u00dfig Jahren auf unseren Besuch. Viel scheint sich n\u00e4mlich in der Zwischenzeit dort nicht ver\u00e4ndert zu haben. Eine vertr\u00e4umte, etwas aus der Zeit gefallene Kulisse. Wir waren uns sofort sympathisch.<br \/>\n\u00dcber einem wundersch\u00f6nen Uferpfad machen wir uns auf den Weg zum alten Leuchtturm, den wir schon vom Schiff aus sehen konnten. Der Weg schl\u00e4ngelt sich munter am H\u00fcgel entlang, es gr\u00fcnt und bl\u00fcht rechts und links und kitschig sch\u00f6n, sieht man durch die B\u00e4ume das wei\u00dfe Schiff in der Bucht liegen. Viele Menschen sind hier nicht unterwegs, um so erstaunter sind wir, als pl\u00f6tzlich hinter einer Biegung unser Kapit\u00e4n &#8211; heute in Zivil mit Wetterjacke und Baseballm\u00fctze \u2013 auftaucht. Spontan schmettert er uns seinen Gl\u00fcckwunsch zum heutigen Tag entgegen, w\u00fcnscht f\u00fcr weitere drei\u00dfig Jahre alles Gute und freut sich, uns morgen an seinem Tisch begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Das h\u00e4tten wir so jetzt auch nicht erwartet und fragen uns, ob das wohl auch zum Honeymoon-Special geh\u00f6rt oder einfach nur eine freundliche Geste des Kapit\u00e4ns war?<br \/>\nAls der Leuchtturm dann auftaucht, machen wir das \u201eoffizielle Pressephoto\u201c f\u00fcr die Lieben zu Hause. Ist schon sehr symboltr\u00e4chtig, der Leuchtturm im Hintergrund und wie wir beide so davor stehen. Wo es doch immer gut ist, auf der Reise durchs (Ehe) Leben einen Leuchtturm in der N\u00e4he zu haben. Ich bin ganz ergriffen, als sich mir dieser Zusammenhang erschlie\u00dft. Und dann noch das kleine Cottage und die wei\u00dfe Mauer, die von dort zum Leuchtturm f\u00fchrt, fast wie eine Perlenkette am Ufer\u2026 Ach, man muss die Zeichen nur erkennen, dann bekommt so ein Tag gleich eine ganz andere Tiefe, einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Flair.<br \/>\nZur\u00fcck auf dem Schiff eilen wir in den Spa-Bereich, den wir sonst so wenig betreten wie die Br\u00fccke des Kapit\u00e4ns. Aber im Honeymoon-Special war schlie\u00dflich auch eine Massage enthalten, und die lehnt man ja nicht einfach ab.<br \/>\nGelockert und ge\u00f6lt erwartet uns anschlie\u00dfend auf der Suite die n\u00e4chste \u00dcberraschung. Eine Gl\u00fcckwunschkarte nebst silbernem Bilderrahmen von der Reederei, sicherlich gedacht f\u00fcr das Erinnerungsphoto vom K\u00e4ptn\u2018s table. Doch das kommt erst am n\u00e4chsten Tag. F\u00fcr heute wartet n\u00e4mlich noch ein 7 G\u00e4nge Men\u00fc incl. Weinreise im Gourmetrestaurant auf uns. Ich sag es doch, wie die Perlen einer Kette reiht sich hier ein Highlight an das andere. Der \u201ePerlenmodus\u201c f\u00e4ngt an mir zu gefallen.<br \/>\nAlso Dusche, Maske und Garderobe. So ganz unanstrengend sind solche Tage nicht, aber es gibt sie ja auch nicht so oft.<br \/>\nIm Restaurant am Abend ist unser Tisch mit Rosenbl\u00e4ttern geschm\u00fcckt und der ambitionierte Ober erkl\u00e4rt uns die Speisefolge. Damit man auch wei\u00df, was gerade die Geschmacksexplosion im Gaumen ausl\u00f6st, hat man f\u00fcr jeden Gang ein eigenes kleines K\u00e4rtchen vor sich liegen. Damit nicht genug, der Ober erkl\u00e4rt einem dann auch noch, wie genau man die einzelnen Speisen zu sich zu nehmen hat. Bislang waren wir ja der Meinung, halbwegs vern\u00fcnftig essen zu k\u00f6nnen, aber der Chefkoch hat da wohl andere Vorstellungen: Die Suppe soll man trinken, nicht l\u00f6ffeln, den Fenchelsalat zur Lachsforelle am besten mit der Zitronenemulsion zusammen im Mund zergehen lassen, beim Sorbet zun\u00e4chst das Eis separat kosten ehe es mit Champagner aufgegossen wird und schlie\u00dflich das tomatisierte Kompott auf jeden Fall unbedingt zusammen mit dem Seeteufel inhalieren. Wie gestelzt kann man Speisen eigentlich beschreiben? Man lernt eben nie aus, auch wenn man solche Dinge im Leben nicht braucht. Die begleitenden Weine sind, so man den blumigen Ausf\u00fchrungen des Sommeliers Glauben schenken darf, eigentlich fast zu schade f\u00fcr derart gew\u00f6hnliche Gaumen wie unsere, und irgendwie schmecken sie uns auch nicht wirklich. Da g\u00f6nnen wir uns doch sp\u00e4ter auf der Suite noch ein ganz profanes Bier aus der Mini Bar! Welch ein Genuss!<br \/>\nAuch Jubil\u00e4en haben ihren Nachklang. Bei uns besteht er in einer Einladung zum K\u00e4ptn\u2018s table am n\u00e4chsten Abend. Wohlgemerkt mit drei anderen ausgew\u00e4hlten Paaren, die sowohl 20, 50 als auch 60 gemeinsame Jahre hinter sich haben und auch alle in den Genuss des Honeymoon-Specials kommen.<br \/>\nMan trifft sich im Atrium, um dann in Formation mit dem Kapit\u00e4n an der Spitze in den Speiseraum einzuziehen. Dass die Bordkapelle nicht noch \u201eGod save the Queen\u201c ( wir sind schlie\u00dflich in England) spielt, finde ich dann doch ein bisschen schade. Aber okay, \u201erule britania\u201c w\u00e4re auch gut gewesen, da bin ich nicht so festgelegt. Der leichte Seegang verdeckt, dass ich in meinen Sling Pumps etwas unsicher hin und her rutsche. Sie passen aber farblich perfekt zu meinem Kleid, und derart kleine Opfer muss man an solchen Tagen eben bringen. Zum Gl\u00fcck d\u00fcrfen sich die Damen beim Gruppenphoto hinsetzen, w\u00e4hrend die Herren hinter ihnen im Halbkreis Aufstellung nehmen. Fast ein bisschen wie bei den Royals \u2026<br \/>\nSchlie\u00dflich hat man dann alle Voraussetzungen erf\u00fcllt, um an der festlichen Tafel Platz nehmen zu d\u00fcrfen.<br \/>\nAuch in seiner schicken Galauniform ist unser Kapit\u00e4n bodenst\u00e4ndig, bescheiden und humorvoll, was ich von meinem Tischherrn zur Linken so gar nicht behaupten kann. Der unterrichtet mich n\u00e4mlich sehr ausf\u00fchrlich dar\u00fcber, was f\u00fcr ein unheimlich erfolgreicher und phantastisch vernetzter Typ er sei. Man kann es auch kurz so zusammenfassen: Meine Villa, meine Reisen, meine Honorigkeit und meine prominenten Freunde\u2026<br \/>\nDer Wein heute schmeckt viel besser als der am Abend vorher, was in dieser Situation durchaus nicht unwichtig ist. Da schlage ich auch am Ende des Abends den Grappa des Kapit\u00e4ns nicht aus.<br \/>\nMit dieser Veranstaltung haben wir denn auch alle Angebote des Honeymoon\u2013-Specials voll ausgekostet. Es hat sich gelohnt, und wir haben es genossen. Wer wei\u00df, ob es so etwas in 10 oder 20 Jahren noch einmal gibt. Aber dann w\u00e4re es ja auch keine Perlenhochzeit mehr und Perlen, wie soll ich sagen? Perlen haben doch irgendwie etwas zeitlos Sch\u00f6nes. Davon lasse ich mich nicht abbringen.<\/p>\n<p>Die angesagten Trendforscher meinen ja sowieso: Perlen kommen wieder! Mein Reden! Was sich bew\u00e4hrt hat, bleibt oder kehrt irgendwann zur\u00fcck! Perlenhochzeit, Perlen \u2013 wir sind eben doch voll im Trend. Das haben nur noch nicht alle verstanden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Perlen sind aktuell so gar nicht mehr gefragt. Das mussten wir leider feststellen, als wir neulich einige Perlenketten meiner verstorbenen Schwiegermutter verkaufen wollten. Kein Mensch interessiert sich daf\u00fcr. Der Zeitgeist tr\u00e4gt momentan offensichtlich eine andere Mode! 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