{"id":242,"date":"2017-07-14T10:38:44","date_gmt":"2017-07-14T10:38:44","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=242"},"modified":"2017-07-14T10:38:44","modified_gmt":"2017-07-14T10:38:44","slug":"zurueckgekehrt-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=242","title":{"rendered":"Zur\u00fcckgekehrt"},"content":{"rendered":"<p>Als ich heute Vormittag das Hotel verlie\u00df, um hinunter zum See zu gehen, da sah ich ihn pl\u00f6tzlich. Er stand auf dem kleinen Balkon des Eckzimmerchens, das mit der besten Aussicht gleich oberhalb der Terrasse. M\u00fcde und ein wenig gebeugt lehnte er am Gel\u00e4nder, neben sich den klapprigen Stuhl, der auf seltsame Weise mit ihm gealtert schien.<br \/>\nGedankenverloren, fast ein bisschen teilnahmslos schaute er \u00fcber den See.<br \/>\nIch h\u00e4tte gerne gewusst, was er gedacht hat.<br \/>\nWir kennen ihn von fr\u00fcher, an die zwanzig Jahre ist das jetzt her.<br \/>\nDamals kam er regelm\u00e4\u00dfig mit seiner ganzen Familie, Ehefrau, Kinder, Schwiegerkinder und einer st\u00e4ndig wachsenden Zahl von Enkeln. Er war der Patriarch, autorit\u00e4r, stolz, selbstgef\u00e4llig und auch ein bisschen arrogant.<br \/>\nIn dieser Familie war man Zahnarzt, und wir hatten den Eindruck, wer diese Voraussetzung nicht erf\u00fcllte, musste umschulen oder woanders einheiraten.<br \/>\nAlle waren organisiert, die Kinder machten Sport, lasen gute B\u00fccher und nahmen voll Begeisterung an allen angebotenen Ausfl\u00fcgen und Bergwanderungen teil. Die Alten spielten Golf und diskutierten danach bei einem gepflegten Gl\u00e4schen Wein die neuesten Abrechnungsmodelle und die Anschaffung eines Gel\u00e4ndewagens zur Jagd.<br \/>\nWie haben wir diese Familie bestaunt, wie sie abends auf der Terrasse an einer langen Tafel sa\u00dfen, in den besten Jahren bis zu 16 Personen, wie sie schwatzten, a\u00dfen, tranken und lachten. Und immer f\u00fchrte er den Vorsitz.<br \/>\nDann irgendwann waren sie nicht mehr da. Wom\u00f6glich passten die Ferientermine nicht mehr mit den unseren \u00fcberein, oder vielleicht hatte man jetzt andere Urlaubsziele.<br \/>\nVorgestern nun beim Abendessen war er pl\u00f6tzlich wieder da. Fast h\u00e4tte ich ihn nicht erkannt, so sehr hatte er sich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Alt, zerbrechlich und ganz allein sa\u00df er an seinem Tisch und schaute \u00fcber die Terrasse. Vorsichtig tastete sein Blick alles ab. Ob es da noch Vertrautes gab oder \u00dcberlebende aus den fr\u00fcheren Jahren, solche, die ihn noch von damals kannten? Andere Familien sind jetzt da mit Kindern und Enkeln &#8211; neue Stammg\u00e4ste. Es gibt andere Tische auf der Terrasse, neue St\u00fchle, das Essen ist raffinierter geworden und das Geschirr moderner, die Sonnenschirme wurden ausgewechselt, ebenso wie die Bedienungen.<br \/>\nEr wirkte ein bisschen verloren und man hatte den Eindruck, dass weder er, noch das, was er suchte, zu seiner Erinnerung passen wollte.<br \/>\n\u2018Alt werden ist wirklich nicht leicht\u2018 dachte ich, \u201aund allein zur\u00fcckzu- kehren an diesen Ort ist mutig!\u2018<br \/>\nIn der Abendsonne glitten die letzten Boote \u00fcber den See, der Berg schimmerte majest\u00e4tisch, und vom gegen\u00fcberliegenden Ufer klang leise Musik her\u00fcber. Abendstimmung am See. Eigentlich hatte sich nichts ver\u00e4ndert in den letzten zwanzig Jahren und f\u00fcr ihn vielleicht doch so unendlich viel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich heute Vormittag das Hotel verlie\u00df, um hinunter zum See zu gehen, da sah ich ihn pl\u00f6tzlich. Er stand auf dem kleinen Balkon des Eckzimmerchens, das mit der besten Aussicht gleich oberhalb der Terrasse. 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