{"id":193,"date":"2016-07-31T15:56:55","date_gmt":"2016-07-31T15:56:55","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=193"},"modified":"2016-07-31T15:56:55","modified_gmt":"2016-07-31T15:56:55","slug":"urlaubslektuere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=193","title":{"rendered":"Urlaubslekt\u00fcre"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem wir nun schon zum wieder- und wiederholten Male in den gleichen Urlaubsort fahren, haben meine Freunde immer mehr das Gef\u00fchl, mir wenigstens mit der einen oder anderen empfohlenen Urlaubslekt\u00fcre eine gewisse Abwechslung verschaffen zu wollen.<br \/>\nWenn mir schon die Umgebung keine neuen Eindr\u00fccke vermittelt, dann soll wenigstens ein ausgesuchter \u201eguter\u201c Lesestoff meinen Horizont erweitern, so denken sie. Da\u00df, auch und gerade da, die Geschm\u00e4cker sehr unterschiedlich sind, muss man nicht betonen.<br \/>\nW\u00e4hrend die einen hoffen, mir in der Ruhe und Abgeschiedenheit der K\u00e4rntner Seenlandschaft den Zugang zu allerlei hochintelektueller Literatur zu erm\u00f6glichen, versuchen mich die anderen von der immer gleichen Umgebung mit unterhaltsamer Belletristik abzulenken.<br \/>\nIch reise also in der Regel mit einer sehr bunten Mischung an Lesestoff an. Da ist viel Licht und auch viel Schatten, leicht und schwer Verdauliches und auch so manches, was man seinen Augen einfach nicht zumuten m\u00f6chte, wogegen anderes wirklich gut sein kann.<br \/>\nExemplare von namhaften Autoren mit bekanntem Titel, m\u00f6glichst noch von der aktuellen Bestsellerliste, lasse ich dann schon mal gut sichtbar auf meiner Sonnenliege zur\u00fcck, wogegen ich den neuesten Liebesroman aus dem Bastei-L\u00fcbbe Verlag vielleicht doch eher unter dem Strandlaken verschwinden lasse.<br \/>\nAber nat\u00fcrlich gibt es auch B\u00fccher, die sind so spannend, fesselnd und mitrei\u00dfend, da\u00df man beim Lesen total vergi\u00dft sich einzucremen, nicht h\u00f6rt, wenn der Liebste z\u00e4rtlich etwas s\u00e4uselt und schon gar nicht merkt, da\u00df das Badeanzugsoberteil hoffnungslos verrutscht ist und man halbnackt in ungesund verrenkter Haltung mit Buch vor der Nase auf der Liege h\u00e4ngt. Sp\u00e4ter wundert man sich dann \u00fcber eingeschlafene Gliedma\u00dfen, einen dicken Sonnenbrand, den leicht frustrierten Ehemann und einige interessierte Zuschauer auf den umliegenden Sonnenliegen. Von einem \u201eBuch mit Risiko und Nebenwirkungen\u201c k\u00f6nnte man da sprechen!<br \/>\nDieses Jahr nun bekam ich von einer Bekannten eine Buchempfehlung, die mich schon im Vorfeld neugierig machte. Besagte Dame ist von ihrem Typ her grundsolide, anst\u00e4ndig, und rechtschaffen. Wer sie nicht n\u00e4her kennt w\u00fcrde sie vielleicht sogar<br \/>\n(f\u00e4lschlicherweise) f\u00fcr etwas bieder und brav halten. Das sollte einen allerdings nicht dazu verleiten auf ihren literarischen Geschmack zu schlie\u00dfen, man wei\u00df es ja: stille Wasser&#8230;<br \/>\nEin bi\u00dfchen vorgewarnt war ich also schon, dennoch bestellte ich relativ ahnungslos das besagte und von ihr empfohlene Buch.<br \/>\nDer \u00f6rtliche Buchh\u00e4ndler, bei dem ich das Werk einige Tage sp\u00e4ter abholte, zog vielsagend die Augenbraue hoch, verkniff sich aber eine Bemerkung&#8230; Ich war ein bi\u00dfchen irritiert und noch mehr gespannt.<br \/>\nZusammen mit mindestens drei anderen B\u00fcchern der aktuellen Bestsellerlisten wanderte auch dieses Exemplar in unser diesj\u00e4hriges Reisegep\u00e4ck.<br \/>\nIch bin ein organisierter Mensch, der nicht umsonst im Zeichen der Jungfrau das Licht der Welt erblickte, und so lese ich meine Urlaubsb\u00fccher in einer gewissen genau geregelten Reihenfolge. Das Anspruchvollste zuerst, das Vielversprechenste zuletzt, dazwischen alles andere.<br \/>\nZu Beginn des Urlaubs schlage ich mich also mit einer interessanten aber recht anstrengenden Biographie herum. Das Teil lag zu Anschauungszwecken mehr auf meiner Sonnenliege als ich selbst und machte sich dort im Zweifelsfall auch noch besser als ich. Dann kommt ein h\u00fcbscher kleiner Roman aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt und von allen m\u00f6glichen Kritikern hoch gelobt, aber irgendwie sterbenslangweilig. Vergeblich frage ich mich, was mir die Geschichte eigentlich sagen will. Nur gut, dass das Teil nur 189 Seiten hatte&#8230; Es war schon ein bi\u00dfchen Arbeit \u2013 und das im Urlaub!<br \/>\nDarauf folgt \u201eFrauenliteratur\u201c pur. Der Klappentext verspricht Einblicke in das Leben einer Frau jenseits der F\u00fcnfzig \u2013 authentisch und ungeschminkt. Hmmm, beim Lesen schwanke ich zwischen Staunen und Ungl\u00e4ubigkeit und frage mich so manches Mal, ob das, was da geschrieben steht, einer einzigen Person widerfaheren kann.<br \/>\nUntreuer Ehemann, pubertierende Kinder, lesbische Freundin, tablettenabh\u00e4ngige Schwester, \u00fcbergriffiger Chef, demente Schwiegereltern, hochallergischer Hund und das alles vor dem Hintergrund einer schweren Erkrankung, welche die Protagonistin nat\u00fcrlich dramatisch aber tapfer von der ersten bis zur letzten Seite in den Griff bekommt. Wer so taff ist, kann nicht normal sein, und wer das liest und glaubt, muss ein sehr gutes Selbstbewu\u00dftsein haben, um nicht an seiner eigenen Unzul\u00e4nglichkeit zu verzweifeln.<br \/>\nBuch mit zweifelhafter Zielgruppe.<br \/>\nAber dann gibts da ja zum Gl\u00fcck noch die letzte Empfehlung.<br \/>\nEin unauff\u00e4lliger Titel: \u201ePuppenmord\u201c, klingt wie ein Krimi, und so ein bi\u00dfchen ist es ja auch einer, aber&#8230;<br \/>\nSchon nach den ersten Seiten verstehe ich die hochgezogene Augenbraue des Buchh\u00e4ndlers.<br \/>\nSehr speziell und ziemlich schr\u00e4g, was mir da so unter die erstaunten Augen kommt. W\u00e4hrend ich also brav und mit unschuldiger Miene auf meiner Liege sitze, lese ich mich mit immer gr\u00f6\u00dferem Vergn\u00fcgen durch die skurilen Schamlosigkeiten dieses Buches. Wenn alle um mich herum nur ahnten, was sich da vor meinen Gleitsichtgl\u00e4sern auftut&#8230; Oh mein Gott, die Wiese w\u00e4re schon mittags in eine schamvolle Abendr\u00f6te getaucht.<br \/>\nEin bi\u00dfchen etwas bleibt ja von jedem Buch h\u00e4ngen, und so versuche ich in den folgenden Tagen die neu erlernten Ausdr\u00fccke und Kosenamen an <em>meinen<\/em> Mann zu bringen. Der reagiert ein bi\u00dfchen irritiert, ob der frischen frivolen Brise, die ihn pl\u00f6tzlich umweht, aber wer wei\u00df, vielleicht gef\u00e4llts ihm ja sogar?<br \/>\nEin Buch mit tempor\u00e4rer Nachhaltigkeit??? Das w\u00e4re nicht das Schlechteste!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem wir nun schon zum wieder- und wiederholten Male in den gleichen Urlaubsort fahren, haben meine Freunde immer mehr das Gef\u00fchl, mir wenigstens mit der einen oder anderen empfohlenen Urlaubslekt\u00fcre eine gewisse Abwechslung verschaffen zu wollen. 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