{"id":185,"date":"2016-04-17T11:38:09","date_gmt":"2016-04-17T11:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=185"},"modified":"2016-04-17T11:38:09","modified_gmt":"2016-04-17T11:38:09","slug":"der-enkelhund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=185","title":{"rendered":"Der Enkelhund"},"content":{"rendered":"<p>Meine Angst vor Hunden ist geradezu legend\u00e4r, und sie reicht eigentlich soweit zur\u00fcck wie meine ersten Erinnerungen \u00fcberhaupt. Man kann also sagen, es fing alles mit der Angst vor dem Hund an. Dabei ist es \u00fcberhaupt nicht so, dass ich prinzipiell etwas gegen Hunde im allgemeinen oder besonderen h\u00e4tte, sie unsympathisch f\u00e4nde, absto\u00dfend, widerlich, b\u00f6se, grausam oder stinkig. Nein, das kann man nicht sagen. Mal abgesehen von einigen Ausnahmen versteht sich, aber das ist ja wie bei den lieben Mitmenschen, da findet man auch nicht jeden Zeitgenossen toll. Also wie gesagt , im Grunde habe ich nichts gegen diese Tiere, aber ich habe Angst vor ihnen, und das ist das Problem.<br \/>\nIm \u00dcbrigen ist es dabei auch v\u00f6llig egal, um welche Rasse es sich handelt, ob der Hund gro\u00df, klein, dick oder d\u00fcnn ist, einen Stammbaum hat oder aus dem Tierheim kommt, ob er Rex oder Mausi hei\u00dft, Pf\u00f6tchen gibt, die Z\u00e4hne fletscht, eine rosa Haarspange im Fell tr\u00e4gt oder einen Maulkorb, im Zwinger lebt, an der Kette zerrt oder frei herum l\u00e4uft. Meine Angst ist da tolerant und macht keinerlei Unterschiede. Alle werden gleich behandelt, unabh\u00e4nging von Aussehen und Herkunft. Im Klartext hei\u00dft das, sie werden wenn irgend m\u00f6glich gemieden oder weitr\u00e4umigst umgangen. Ich m\u00f6chte nicht wissen, wieviele Kilometer Umwege ich in meinem Leben schon gelaufen bin, nur um einem Hund auszuweichen. Und wieviele bange Stunden ich irgendwo gewartet habe, weil mir so ein Vierf\u00fc\u00dfler den Weg versperrt hat. Einmal waren wir zu einem festlichen Abendessen eingeladen, und ich traute mich den ganzen Abend nicht zur Toilette zu gehen, weil es sich der Hund des Hauses genau vor dem G\u00e4ste-WC bequem gemacht hatte. Ich habe mir fast in die Hose gemacht und die harte Stuhlkante, auf der ich den ganzen Abend herumgerutscht bin, weit mehr gesch\u00e4tzt als alle K\u00f6stlichkeiten auf meinem Teller.<br \/>\nEin anderes Mal mu\u00dfte ich notgedrungen mit einem Hund in einem Zimmer \u00fcbernachten. Da bin ich ganz und gar in meinen Schlafsack gekrochen, habe ihn oben ganz fest zugebunden und war am n\u00e4chsten Morgen fast erstickt. Der Hund im Zimmer hat das wahrscheinlich gesp\u00fcrt und wollte mich wohl retten, indem er mich immer wieder angestupst hat, was die Sache nicht wirklich besser gemacht hat. Seitdem gilt: nie wieder allein mit einem Hund in einem Zimmer!!!!<br \/>\nSchlimm sind auch Situationen mit einem Hund im Fahrstuhl oder im Auto. Ich erinnere eine schreckliche Autofahrt mit einem K\u00f6ter neben mir auf dem R\u00fccksitz, der sehr zudringlich wurde. Da k\u00f6nnen auch 50 km zu einer Rallye Paris-Dakar werden, und man hofft inst\u00e4ndig auf eine Reifenpanne oder ein Leck im Tank.<br \/>\nEinladungen, bei denen der Gastgeberhund angeblich ganz friedlich unter dem E\u00dftisch liegt, sind besonders schrecklich. Entweder das Tier liegt genau auf meinen F\u00fc\u00dfen, und ich traue mich nicht auch nur einen Zeh zu bewegen, aus Angst, er k\u00f6nnte zuschnappen, oder das Vieh schleicht die ganze Zeit umher und kann sich nicht entscheiden, welche F\u00fc\u00dfe es beschnup-pern oder besabbern will. In jedem Fall bin ich bei solchen Gelegenheiten grunds\u00e4tzlich vom gro\u00dfen Zeh her aufw\u00e4rts ein einziger Krampf.<br \/>\nSehr speziell sind ja auch die Hundehalter an sich, und die allerwenigsten von denen, die ich kennenlernen musste, verstanden mich und meine Not. Nat\u00fcrlich lieben sie ihre kleinen oder gro\u00dfen Vierbeiner und trauen ihnen im Leben nichts B\u00f6ses zu, und noch bevor man auch nur die Andeutung einer gewissen Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber dem Tier erkennen l\u00e4\u00dft, hei\u00dft es schon: \u201eVor dem brauchen sie keine Angst zu haben, der tut nichts!\u201c Wie ich diesen Ausspruch hasse! Welcher Hundehalter kann schon wissen, ob nicht gerade ich das Appetith\u00e4ppchen f\u00fcr seinen Vierbeiner bin, oder vielleicht der Frustknochen, weil er sich mal wieder \u00fcber sein inkompetentes d\u00e4mliches Herrchen ge\u00e4rgert hat. Vielleicht m\u00f6chte das Mondkalb ja auch nur mit mir spielen und mir dabei das Gesicht ablecken, oder Zeckenjule will mit mir schmusen, w\u00e4hrend sie mir auf den Scho\u00df springt, und L\u00e4useleo findet es spannend meine Schuhe zu verstecken oder am Riemen meiner neuen Handtasche zu knabbern &#8211; aber ich m\u00f6chte das verdammt nochmal nicht, auch wenn Herrchen oder Frauchen das ganz s\u00fc\u00df finden.<br \/>\nEs gibt also zahlreiche Gr\u00fcnde, weshalb das Thema Hund bei uns in der Familie nie ein Thema war, und ehrlich gesagt, habe ich bisher nichts vermisst.<br \/>\nWir haben versucht nach bestem Wissen und Gewissen unseren Kindern eine vern\u00fcnftige Kindheit und Jugendzeit zu bieten und mit drei Meerschweinchen die Haustierquote wenigstens halbwegs erf\u00fcllt.<br \/>\nDoch nun, kaum sind die Kinder aus dem Haus, schl\u00e4gt das Schicksal zu.<br \/>\nDa telefoniere ich neulich mit meinem Sohn, nein, ich skype mit ihm im fernen Spanien, wo er, wie ich annehme, unerm\u00fctlich seinen Studien nachgeht. Wir plaudern so \u00fcber dies und jenes, \u00fcber das Wetter, das Studium, seine neuesten Projekte und Aufgaben, die letzten Unternehmungen, die Freundin usw., und alles ist sch\u00f6n und in bester Ordnung. Mein Mutterherz ist zufrieden; das will man h\u00f6ren. Wir sind fast am Ende des Gespr\u00e4chs, als er pl\u00f6tzlich meint, da w\u00e4re nur noch eine Kleinigkeit, die ich vielleicht wissen sollte.<br \/>\n&#8211; Pause &#8211;<br \/>\nSeine pers\u00f6nliche Situation h\u00e4tte sich etwas ver\u00e4ndert&#8230;.<br \/>\nMir wird hei\u00df und kalt, und ich bin augenblicklich alamiert. Was kann das sein?<br \/>\nIm Nu spulen sich alle M\u00f6glichkeiten vor meinem geistigen Auge ab, meine Phantasie ist gnadenlos und hat dabei leider selten Platz f\u00fcr positive M\u00f6glichkeiten.<br \/>\nDen baskischen Seperatisten beigetreten? Spielschulden gemacht? Wohnung gek\u00fcndigt?Studium geschmissen? Freundin schwanger? Pause &#8211; Bildst\u00f6rung &#8211; aufsteigende Panik.<br \/>\nUnd dann ein rotbraunes zappelndes Wollkn\u00e4ul. Ich traue meinen Augen oder auch dem Bildschirm nicht. Ein Hund? Ist das etwa ein Hund? Mein Sohn hat sich einen Hund gekauft. Das kann nicht wahr sein!<br \/>\nVoller Stolz verk\u00fcndet er mir, darf ich vorstellen, das ist Fox, euer \u201eEnkelhund\u201c. Na bravo, das hab ich mir immer schon gew\u00fcnscht!<br \/>\nNun muss ich zugeben, dass das Tierchen wirklich ganz s\u00fc\u00df und knuffig ist, aber wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich ja auch Tiger, Haie und Kobras auf dem Bildschirm ganz possierlich. In Natur eher weniger.<br \/>\nDas Problem liegt nun darin, dass ich in absehbarer Zeit meinen Sohn besuchen werde und dann Aug in Aug, oder besser, Wade an Schnauze diesem \u201eEnkelhund\u201c gegen\u00fcbertreten muss. Das ist eine Herausforderung.<br \/>\nDamit der erste Kontakt m\u00f6glichst halbwegs passabel ausf\u00e4llt, versuche ich bei mir schon mal ein besseres \u201eHundekarma\u201c aufzubauen, was bei meiner Vorgeschichte nat\u00fcrlich alles andere als einfach ist. Ich schaue also ab jetzt sehr bem\u00fcht jeden K\u00f6ter auf der Stra\u00dfe m\u00f6glichst liebevoll an.<br \/>\nSende positive Gedanken auf die andere Sta\u00dfenseite, frei nach dem Motto, ich wei\u00df, du tust mir nichts, weil ich ja nun einen \u201eEnkelhund\u201c habe und irgendwie, wenn auch unfreiwillig zu eurer gro\u00dfen \u201eCommunity&#8220; geh\u00f6re. Wenn ich gut bin, sage ich inzwischen auch schon mal dem einen oder anderen Herrchen oder Frauchen, was f\u00fcr einen sch\u00f6nen Hund sie haben, und wenn ich sehr gut bin, frage ich sie sogar nach der Rasse.<br \/>\nNeulich fand ich mich in einem Gesch\u00e4ft vor einem Regal mit Hundezubeh\u00f6r wieder, wo ich interessiert alle m\u00f6glichen Spielsachen, Leinen, Leckerlies und Fressn\u00e4pfe angeschaut habe. Schlie\u00dflich muss man sich ja schon mal Gedanken machen, was man dem Kleinen so mitbringt, wenn man dann zu Besuch kommt. Kleine Geschenke f\u00f6rdern die Freundschaft, gilt sicher auch bei Hunden&#8230;<br \/>\nEin paar aktuelle Bilder von dem s\u00fc\u00dfen Racker hab ich nat\u00fcrlich inzwischen immer auf meinem Handy parat, und wenn wir uns das n\u00e4chste Mal bei Helga zum Kaffekr\u00e4nzchen treffen und alle die neuesten Photos von ihren Enkelkindern rumzeigen, dann hab ich was ganz besonderes zu bieten: Die neuesten Bilder von meinem \u201eEnkelhund\u201c. Das ist doch mal was anderes&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Angst vor Hunden ist geradezu legend\u00e4r, und sie reicht eigentlich soweit zur\u00fcck wie meine ersten Erinnerungen \u00fcberhaupt. Man kann also sagen, es fing alles mit der Angst vor dem Hund an. 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