{"id":142,"date":"2015-05-01T16:19:52","date_gmt":"2015-05-01T16:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=142"},"modified":"2015-05-01T16:19:52","modified_gmt":"2015-05-01T16:19:52","slug":"mein-ideal-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=142","title":{"rendered":"Mein Ideal und ich"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin wie ich bin und wie mich alle kennen und mehr oder weniger m\u00f6gen.<br \/>\nDas ist die eine Seite. Die ander Seite ist mein Ideal, so wie ich gerne w\u00e4re, aber nie sein kann. Wir beide, mein Ideal und ich, leben in einem st\u00e4ndigen Wettstreit miteinander, und es liegt wohl in der Natur der Sache, dass ich dabei nie gewinnen werde. Mein Ideal ist einfach immer und in allem besser.<br \/>\nEs kennt weder Migr\u00e4ne, den Hei\u00dfhunger nach gebrannten Mandeln noch die Angst vor Spinnen, hat keine Orangenhaut an den Oberschenkeln und wei\u00df nichts von Blasenschw\u00e4che und Hitzewallungen. Mein Ideal hat zu allem eine klare Meinung, liest mehrere Tageszeitungen, ist gebildet, treibt regelm\u00e4\u00dfig Sport, ern\u00e4hrt sich gesund und teilt seine Zeit sinnvoll ein. Mein Ideal \u00fcberwindet jeden Schweinehund, gebraucht keine Notl\u00fcgen, l\u00e4stert nicht \u00fcber die Nachbarn, ist konsequent in der Sache aber charmant im Umgang mit anderen&#8230;<br \/>\nNat\u00fcrlich interessiert es sich f\u00fcr Literatur, kennt sich perfekt mit dem Computer aus und ist selbstverst\u00e4ndlich in der Lage sein Fahrrad selbst zu reparieren, vertikutiert alleine seinen Rasen, n\u00e4ht Kissenbez\u00fcge, strickt Socken, streicht Z\u00e4une und Zimmer und kocht voll Leidenschaft ganz nebenbei die tollsten Menues.<br \/>\nWenn ich mich morgens nochmal tr\u00e4ge und verschlafen auf die andere Seite drehe, w\u00fcrde mein Ideal bereits munter aus dem Bett springen und die Yogamatte ausrollen.<br \/>\nDiesen Widerspruch gilt es nun auszuhalten \u2013 Tag f\u00fcr Tag, Woche f\u00fcr Woche ein Leben lang.<br \/>\nMan kann seinem Ideal nicht entfliehen, man kann nur versuchen sich mit ihm zu arrangieren, und das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut.<br \/>\nAn meinen guten Tagen, wenn ich fit und energiegeladen bin, habe ich den brennenden Wunsch, diesem Ideal wenigstens ein bi\u00dfchen n\u00e4her zu kommen. Dann reizt es mich mindestens hin und wieder auf Augenh\u00f6he mit ihm zu sein, und ich bin entschlossen und motiviert den Kampf aufzunehmen. Dann atme ich mit jeder Pore Disziplin, zieh mein Selbstbewu\u00dftsein an, schiebe die Tr\u00e4gheit beiseite und lege los. Und bin ich erst einmal in Fahrt, geht es oft leichter als gedacht. Da trennt mich dann manchmal nur noch ein ganz kleiner Schritt von meinem Ideal.<br \/>\nSolche Tage sind sch\u00f6n. Da f\u00fchle ich mich gro\u00dfartig und best\u00e4rkt, denn jetzt habe ich mein Leben im Griff und nicht umgekehrt.<br \/>\nAber es gibt eben auch die anderen Tage, und die sind leider deutlich in der \u00dcberzahl. Da hechle ich meinem Ideal hinterher wie ein greiser Jagdhund einem jungen Reh. Mein Selbstbewu\u00dftsein schmilzt dahin, und eine ungeheure Antriebslosigkeit macht sich breit. Die Unentschlossenheit lauert hinter jeder Ecke, und der Zweifel macht sich zu meinem st\u00e4ndigen Begleiter, w\u00e4hrend eine allgemeine Angst den Bereitschaftsdienst \u00fcbernimmt. Da schaffe ich es nicht einen einzigen Zentimeter aus der \u201eEigentlich\u2013Zone\u201c herauszukommen, hadere mit mir und der Welt und bin doch nicht in der Lage etwas zu \u00e4ndern. Diese Tage sind nicht sch\u00f6n, da werde ich gelebt und bin ziemlich unf\u00e4hig etwas dagegen zu tun. Und mein Ideal? Das lacht sich unerreichbar fern und schadenfroh ins F\u00e4ustchen.<br \/>\nDie Kunst des Alltags, das habe ich mit der Weisheit meines Alters mittlerweile herausgefunden, besteht wohl darin einen gesunden Mittelweg zwischen beiden Polen zu finden. Nat\u00fcrlich kann ich nicht immer ideal sein, aber ich kann ja mein Ideal als Orientierung nehmen, an dem ich mich ausrichte.<br \/>\nUnd noch etwas habe ich herausgefunden, neulich an einem der weniger guten Tage. Da bekam ich eine Whatsapp-Nachricht von einer Freundin, in der stand:<br \/>\n\u201eIch mag dich so wie Du bist! Sch\u00f6n, dass es dich gibt!\u201c<br \/>\nDas ist n\u00e4mlich das Geheimnis \u00fcberhaupt: Wenn wir manchmal, (gerne auch \u00f6fter) gesagt bekommen, dass wir gut sind, so wie wir sind, dann m\u00fcssen wir nicht ideal sein um gl\u00fccklich zu sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin wie ich bin und wie mich alle kennen und mehr oder weniger m\u00f6gen. Das ist die eine Seite. Die ander Seite ist mein Ideal, so wie ich gerne w\u00e4re, aber nie sein kann. Wir beide, mein Ideal und ich, leben in einem st\u00e4ndigen Wettstreit miteinander, und es liegt wohl in der Natur der&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-142","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachdenkliches"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5djw5-2i","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":143,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions\/143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}