{"id":138,"date":"2015-04-06T14:44:27","date_gmt":"2015-04-06T14:44:27","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=138"},"modified":"2015-04-06T14:44:27","modified_gmt":"2015-04-06T14:44:27","slug":"ein-herz-fuer-waisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=138","title":{"rendered":"Ein Herz f\u00fcr Waisen"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zugegeben, ich habe eine ausgepr\u00e4gte Schw\u00e4che f\u00fcr Schuhe, und es ist auch hinreichend bekannt, dass ich nicht besonders viel dagegen unternehme.<br \/>\nIch besitze z. Zt. ca. 50 Paar &#8211; Tendenz steigend, und zu jedem Paar habe ich eine ganz eigene Beziehung.<br \/>\nIm Gegensatz zu anderen Luxusartikeln wie M\u00f6bel, Geschirr oder Schmuck bin ich bei Schuhen weniger festgelegt, was Farbe, Form oder Material angeht.<br \/>\nSchuhe m\u00fcssen mich anziehen, mir gefallen, oder anders ausgedr\u00fcckt: wir m\u00fcssen zueinander passen.<br \/>\nEin Schuh, mag er noch so schick sein, von dem ich mich aber nicht angesprochen f\u00fchle, wird nie den Weg zu meinem Herzen, geschweige denn zu meinem Fu\u00df finden. Der Preis spielt dabei eine ebenso untergeordnete Rolle, wie die Frage, wozu trage ich dieses Exemplar.<br \/>\nSo habe ich z. B. in meinem Schrank ein Paar rattenscharfe High-heels stehen, in die ich mich spontan verliebt habe, als ich sie einsam, gebrandmarkt mit dem Etikett \u2019Restpaar\u2019 in der hinteren Ecke eines Schuhgesch\u00e4fts stehen sah. Offensichtlich von den Kunden verschm\u00e4ht und von den Verk\u00e4uferinnen vergessen, fristeten sie dort ihr Dasein, bis ich kam und sie erl\u00f6ste.<br \/>\nKlar, weder Farbe noch Form passen so richtig zu irgendetwas, und deshalb stehen sie auch ungetragen bis heute in meinem Schrank. Aber die Bindung ist eben da, dieses unsichtbare Band zwischen Schuh und Tr\u00e4gerin.<br \/>\nBei einem anderen Paar war es \u201eLiebe auf den ersten Blick\u201c, das uns zusammenf\u00fchrte. Ich sah sie im Regal stehen und wusste sofort: Die sinds! Kein Modell wird je meine F\u00fc\u00dfe \u00e4hnlich umschmeicheln, und nichts anderes kann meine Pers\u00f6nlichkeit besser unterstreichen als dieses Paar. Wir waren uns einig, noch bevor wir einander probiert hatten.<br \/>\nEs gibt allerdings auch Exemplare in meiner Sammlung, die mir aus einem tempor\u00e4ren seelischen Tief geholfen haben. Sie traten genau dann in mein Leben, als ich etwas brauchte, dem ich meine Aufmerksamkeit und Liebe schenken konnte. Gerne lie\u00dfen sie sich pflegen, anziehen, ausf\u00fchren, und man kann sagen, geradezu dankbar trugen sie mich ein St\u00fcck durchs Leben.<br \/>\nUnd so passiert es mir immer h\u00e4ufiger, wenn ich in einem Schuhgesch\u00e4ft durch die Regale streife, all die vielen Schuhe sehe, die mich anschauen und fast z\u00e4rtlich bitten sie doch zu kaufen, dass ich mich an ein Waisenhaus erinnert f\u00fchle.<br \/>\nEinsame Schuhe stehen da in den Regalen und sehnen sich nach W\u00e4rme, nach Anerkennung und nach einem Paar F\u00fc\u00dfen, zu dem sie geh\u00f6ren. Sie wollen raus aus der Masse, ausbrechen aus der Anonymit\u00e4t, und mit meiner Hilfe kann ihnen das gelingen. Muss man da nicht weich werden?<br \/>\nAls ich letzte Woche nach Hause kam und mein Mann mit Blick auf den Schuhkarton (immerhin der dritte in diesem Monat) nur fragend die Augenbraue hob, da sagte ich ihm ohne Umschweife:\u201c Die Schuhe haben Mama zu mir gesagt &#8211; was sollte ich da tun?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Zugegeben, ich habe eine ausgepr\u00e4gte Schw\u00e4che f\u00fcr Schuhe, und es ist auch hinreichend bekannt, dass ich nicht besonders viel dagegen unternehme. Ich besitze z. Zt. ca. 50 Paar &#8211; Tendenz steigend, und zu jedem Paar habe ich eine ganz eigene Beziehung. Im Gegensatz zu anderen Luxusartikeln wie M\u00f6bel, Geschirr oder Schmuck bin ich bei&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-138","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-miteinemaugenzwinkern"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p5djw5-2e","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=138"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":139,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/138\/revisions\/139"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=138"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=138"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tastenblicke.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=138"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}