{"id":126,"date":"2015-02-16T11:16:22","date_gmt":"2015-02-16T11:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=126"},"modified":"2015-02-16T11:16:22","modified_gmt":"2015-02-16T11:16:22","slug":"valentinstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=126","title":{"rendered":"Valentinstag"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht jeder Morgen trieft noch vor Leidenschaft und Gl\u00fcckseligkeit! Erst recht nicht nach mehr als zwanzig Ehejahren, da brauchen wir uns nichts vorzumachen.<br \/>\nWo fr\u00fcher noch der morgendliche Wecker das Startsignal f\u00fcr einen erotischen Einstieg in den Tag war, folgt heute dem hartn\u00e4ckigen Summen ein unwilliges Brummen und anschlie\u00dfend die demotivierende Frage:\u201cWillst du zuerst duschen oder Fr\u00fchst\u00fcck machen?\u201c Manchmal wird auch gar nicht gefragt, da schafft einer gleich Tatsachen, indem er sich schwerf\u00e4llig aus dem Bett qu\u00e4lt und im Rausgehen verk\u00fcndet: \u201eIch geh duschen, machst du Fr\u00fchst\u00fcck.\u201c Das ist dann weniger eine Frage als eine Feststellung.<br \/>\nIn solchen Situationen lasse ich mich sehns\u00fcchtig in mein Kissen zur\u00fcckfallen und schwelge in einer von Hei\u00dfhunger und Begierde gefluteteten Vergangenheit. Wer dachte da an so banale Dinge wie Fr\u00fchst\u00fcck und Dusche? Na ja, Dusche vielleicht schon &#8211; \u201adanach\u2019 &#8211; aber dann auf jeden Fall zusammen&#8230; \u201eACH!!!\u201c Mein ganzes Schlafzimmer ist erf\u00fcllt von einem einzigen tiefen Seufzer. Das waren noch Zeiten&#8230;<br \/>\nVor mir seh ich das rote Pl\u00fcschherz mit \u201aI love you\u2019 Aufschrift, dass seit Jahren g\u00e4nzlich unbeachtet an der Stuhllehne h\u00e4ngt, meist halb verdeckt von abgelegter Kleidung. Zu irgendeinem Hochzeitstag habe ich damit einmal das Schlafzimmer dekoriert und zusammen mit einigen anderen Accessoires eine wahre Lusth\u00f6hle daraus gemacht. Damals hat das Pl\u00fcschherz durchaus seine Funktion erf\u00fcllt, aber nun h\u00e4ngt es hier ziemlich trostlos und vergessen herum. Ein weiterer tiefer Seufzer presst sich aus meiner Kehle. Nun beschlagen schon fast die Scheiben, so wehmutgeschw\u00e4ngert ist die Luft im Schlafzimmer inzwischen. Das ist kein Zustand. Hier muss sich etwas \u00e4ndern, zumal, wie mir ein Blick auf den Kalender verr\u00e4t, heute auch noch Valentins-tag ist. Valentinstag!!! Der Tag f\u00fcr Verliebte, wie es so sch\u00f6n in der Werbung immer hei\u00dft. Da muss eine reife Frau mit ungestillter Sehnsucht nach Romantik und Z\u00e4rtlichkeit die Initiative ergreifen und handeln. Nat\u00fcrlich ist mein so vern\u00fcnftiger und emotional eher praktisch veranlagter Mann prinzipiell gegen solchen kommerziellen Quatsch, aber als Frau, im tapferen Kampf gegen die eheliche Routine, muss ich mich dar\u00fcber hinweg setzen. Wenn es um wichtige Dinge im Eheleben geht, kann man eben nicht auf alle Befindlich-keiten R\u00fccksicht nehmen. Mal wieder f\u00e4llt mir meine kluge Gro\u00df-mutter ein, die schon damals wu\u00dfte: Nur wenn ein Mann was Ordentliches im Magen hat, kann man was von ihm erwarten.<br \/>\nAlso doch Fr\u00fchst\u00fcck? Aber eines, das valentintauglich ist und uns den Alltag f\u00fcr eine Weile vergessen l\u00e4sst. Vielleicht ist die Zeit der roten Pl\u00fcschherzen ja wirklich vorbei, und nun ist eher was herzhaftes angesagt? Wie w\u00e4re es mit einem Spiegelei in Herzform, knusprig in der Pfanne gebraten? Dazu ein Gl\u00e4schen Sekt und ein paar Rosenbl\u00e4tter auf der Tischdecke. Irgendwo habe ich auch noch so ein sexy Negligee samt passendem Mantel, ein Hauch aus echter Seide, die Verf\u00fchrung schlechthin&#8230;<br \/>\nDas muss dann aber auch reichen, man will ja nicht gleich alle Munition verballern.<br \/>\nNun, ich bereite alles sehr sorgf\u00e4ltig vor. Der Tisch ist gedeckt, Sekt perlt im Glas, die Rosenbl\u00e4tter sind arrangiert, z\u00e4rtliche Musik erf\u00fcllt den Raum wie ein akustisches Parfum, und die Spiegeleiherzen in der Pfanne sehen knusprig ihrer Vernichtung entgegen. Oben h\u00f6re ich die Badezimmert\u00fcr, und kurze Zeit sp\u00e4ter betritt mein frisch geduschter G\u00f6ttergatte die B\u00fchne.<br \/>\nEin bi\u00dfchen irritiert scheint er schon, aber er wei\u00df es ( leider) auch gut zu verbergen. Das Einzige, was \u00fcber seine Lippen kommt, ist: \u201eOh, heute Sektfr\u00fchst\u00fcck! Gibts was zu feiern?\u201c Ich wage es nicht, das Wort Valentinstag auch nur in den Mund zu nehmen, und so sage ich nur: \u201eIch dachte halt, wir sollten es uns mal wieder so richtig nett machen &#8211; wie fr\u00fcher eben.\u201c<br \/>\nJetzt f\u00e4llt sein Blick auf die herzigen Spiegeleier auf seinem Teller.<br \/>\n\u201eWo gabs denn diesen Kitsch? Als ob ein Ei in dieser Form anders schmecken w\u00fcrde als sonst&#8230;\u201c Verst\u00e4ndnislos sch\u00fcttelt er den Kopf, w\u00e4hrend ich mit aufsteigender Verzweiflung meine Kaffeetasse umklammere. Dann schaut er \u00fcber den ganzen Tisch, l\u00e4chelt milde und f\u00e4hrt unger\u00fchrt fort: \u201eIst es nicht sch\u00f6n mein Schatz, dass wir all diesen Schnick-Schnack eigentlich gar nicht mehr brauchen?\u201c<br \/>\nIch hole ein paar Mal tief Luft, trinke meinen Sekt aus und denke nur:<br \/>\n\u201aValentinstag im Wandel der Zeiten&#8230;\u2019<\/p>\n<p>&#8230;und eigentlich w\u00e4re mein dicker alter Frotteebademantel auch viel w\u00e4rmer und gem\u00fctlicher als dieser d\u00fcnne Seidenfummel hier&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Nicht jeder Morgen trieft noch vor Leidenschaft und Gl\u00fcckseligkeit! Erst recht nicht nach mehr als zwanzig Ehejahren, da brauchen wir uns nichts vorzumachen. 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