{"id":120,"date":"2015-01-30T10:54:49","date_gmt":"2015-01-30T10:54:49","guid":{"rendered":"http:\/\/tastenblicke.de\/?p=120"},"modified":"2015-01-30T10:54:49","modified_gmt":"2015-01-30T10:54:49","slug":"seelentroester","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tastenblicke.de\/?p=120","title":{"rendered":"Seelentr\u00f6ster"},"content":{"rendered":"<p>Wir kennen sie alle diese Tage, die uns einfach nicht leiden m\u00f6gen und wir sie auch nicht. Ich sp\u00fcre das meistens gleich morgens noch vor dem Aufstehen. Schon in der Nacht haben mir Kr\u00e4mpfe den Schlaf geraubt, und in den Stunden danach hatte ich ausreichend Gelegenheit mir \u00fcber das gesamte Elend der Welt detailliert Gedanken zu machen. So etwas l\u00e4\u00dft einen weder frisch noch ausgeschlafen sein. Im Gegenteil, es durchstr\u00f6mt mich dann immer so ein undefinierbar ranziges Gef\u00fchl. Eigentlich m\u00f6chte ich gar nicht wirklich wach werden, und meist gen\u00fcgt oft schon ein Blick aus dem Fenster um zu wissen: Da bin ich nicht willkommen. Alles da drau\u00dfen ist grau in grau, nass und ungem\u00fctlich.<br \/>\nBei anderen reicht vielleicht auch ein kurzer Blick auf die andere Bettseite und ihr Tag ist gelaufen, bevor er so richtig begonnen hat. Es gibt eben unterschiedliche Fehlstarts im Leben.<br \/>\nMeist versuche ich dann tapfer noch eine Weile gegen die emotionale Schlechtwetterfront anzugehen, aber es f\u00e4llt mit zunehmend schwerer, kommen erst einmal so verschiedene Dinge zusammen wie z.B: Im Badezimmer winkt mir das letzte Blatt Toilettenpapier zu, und die Ersatzrolle liegt unerreichbar weit weg irgendwo im dunklen Vorratskeller. Ich komme tropfnass aus der Dusche, und an der Haust\u00fcr klingelt es Sturm. In solchen F\u00e4llen ist mein Mann leider nicht pr\u00e4sentabel, weil an seinem Hemd noch nicht alle Kn\u00f6pfe geschlossen sind. Die Kaffeemaschine verweigert trotzig einen Kaffee, solange sie nicht entkalkt ist, und der Zeitungsbote hat die Tageszeitungen nur an den Zaun geklemmt. V\u00f6llig durchn\u00e4\u00dft sind sie so weder lesbar noch sonst zu irgendetwas zu gebrauchen. Eine unsympathische Bekannte l\u00e4dt mich ganz spontan nachmittags zum Kaffeekr\u00e4nzchen ein, ist aber unverfroren genug zu erz\u00e4hlen, da\u00df kurzfristig zwei Damen abgesagt haben und sie nun nicht wei\u00df, was sie mit dem vielen Kuchen machen soll. Das Auto springt nicht an, und das Fahrrad hat einen Platten. Der Salat, den ich f\u00fcrs Mittagessen vorgesehen habe, ist gammelig, meine F\u00f6nfrisur h\u00e4lt trotz Haarspray \u201esuperstrong\u201c \u00fcberhaupt nicht, und irgendwo bahnt sich auch noch eine Migr\u00e4ne den Weg in meinen Kopf. Der Handyakku ist leer, und der PC erkennt weder den Drucker noch mich. In der Mittagspause kommt der Schornsteinfeger, um die Abgase der Heizung zu messen und mir die Ergebnisse ausf\u00fchrlich zu erl\u00e4utern, w\u00e4hrend ein Paketdienst die umfangreiche Weinlieferung f\u00fcr den verreisten Nachbarn in unserer Diele aufbaut. Kommen nur einige dieser Punkte zusammen, ist auch mir klar: Dieser Tag und ich, wir werden keine Freunde! Dann suche ich den \u201ereset\u201c Knopf, der alles noch einmal auf Anfang zur\u00fcck setzt oder wenigstens irgendetwas, was mich tr\u00f6stet.<br \/>\nDoch was tr\u00f6stet eine reife Frau in solch einer Situation?<br \/>\nEin Mann? Schwerlich!<br \/>\nDer eigene Mann ist zwar bem\u00fcht, geht die Sache jedoch wie immer viel zu rational an. Schlie\u00dflich m\u00f6chte ich weder eine Erkl\u00e4rung noch eine L\u00f6sung und schon gar keine Belehrung. Ich m\u00f6chte einfach nur diffus getr\u00f6stet werden. Das ist schwer f\u00fcr einen Mann und auch unter gr\u00f6\u00dften Anstengungen kaum zu leisten. Jeder noch so gut gemeinte Versuch bleibt ein Krampf und f\u00fchrt eigentlich nur tiefer in die Misere. M\u00e4nner sind daf\u00fcr irgendwie nicht gemacht, und \u201efrau\u201c tut gut daran, das fr\u00fchzeitig zu akzeptieren und diesbez\u00fcglich wenig zu erwarten.<br \/>\nSchokolade, Chips oder gar Alkohol? In derartige Trostblasen fl\u00fcchten sich nur unreife, stillose, und naive Weibsbilder. Wei\u00df doch jede erfahrene Frau, die schon einige emotionale Herbstst\u00fcrme hinter sich hat, dass der Jammer nach solchen Exzessen (auf der Waage und im Kopf) um so gr\u00f6\u00dfer ist.<br \/>\nAblenkung durch Arbeit? Ist eine M\u00f6glichkeit, allerdings mit Anstrengung verbunden, kr\u00e4ftezehrend, in der Sache nicht wirklich Trost spendend und f\u00e4llt daher eher unter die Rubrik Verdr\u00e4ngung..<br \/>\nUnd ist so ein Tag schon einmal derart vergeigt, dann wird auch eine Shoppingtour mit der besten Freundin die Lage nicht mehr \u2019rumrei\u00dfen. Bei jeder anderen Gelegenheit oder Krise mag das die L\u00f6sung schlechthin sein, aber nicht, wenn man sich weinerlich, faltig, unattraktiv, m\u00fcde und global armselig f\u00fchlt. Wenn man neben allem anderen Unbill auch noch gegen Hitzewallungen, Orangenhaut, Ganzk\u00f6rpertraurigkeit, Blasenschw\u00e4che und Hei\u00dfhungerattacken seinen pers\u00f6nlichen Kampf f\u00fchren muss, dann braucht man einen Tr\u00f6ster, der keine Fragen stellt und keine Gegenleistung erwartet, der einfach da ist, immer verf\u00fcgbar und frei von jeglichem Kalk\u00fcl.<br \/>\nDas ist nicht leicht! Doch in der Seelenapotheke meiner Gro\u00dfmutter exisiert ein absolut probates Mittel f\u00fcr solche F\u00e4lle.<br \/>\nDie gute alte W\u00e4rmflasche!<br \/>\nSie ist kuschelig, weich, warm und anschmiegsam. Sie beruhigt, gibt nur und fordert nichts. Sie ist handlich und l\u00e4sst sich ohne Probleme mit ins Ehebett nehmen, sorgt f\u00fcr einen entspannten Schlaf und daf\u00fcr, dass ich am n\u00e4chsten Morgen mutig, selbstbewu\u00dft und entschlossen einem neuen Tag stolz meine faltige Stirn bieten kann.<\/p>\n<p>Gutes muss nicht teuer sein! Das wu\u00dften auch schon unsere Gro\u00dfm\u00fctter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kennen sie alle diese Tage, die uns einfach nicht leiden m\u00f6gen und wir sie auch nicht. Ich sp\u00fcre das meistens gleich morgens noch vor dem Aufstehen. 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